Vor sechs Monaten, Besprechungsraum Neptun, Breschnew Kaserne Tschernobyl
Kapitan Morosow deutet mit seinem Finger auf eine Karte von Tschernobyl. „Hier, hier und dort wurden in den letzten Tagen Eindringlinge gesichtet. Da sie bisher alle entwischen konnten, werden die Patrouillenrouten wie folgt geändert…“
Wie die meisten Gruppenmitglieder im Besprechungsraum, schweift auch Unteroffizier Michael Hammerbeck mit seinen Gedanken ab. Seit er sich freiwillig für den Einsatz in der Zone beim Militär gemeldet hat, ist nicht mehr viel von seinem Patriotismus übriggeblieben. Vielmehr sind seine Zweifel mit jedem Einsatz gewachsen, ob er hier wirklich seinem Vaterland dient.
„Wir werden jeden Tag auf Menschenjagd geschickt und nachts erscheinen mir die Gesichter derer, die wir gefasst und exekutiert haben. Ich möchte nicht begreifen, weshalb wir unsere eigenen Landsleute so abschlachten. Meistens sind sie alleine unterwegs und schlecht ausgerüstet. Die Regierung verbirgt etwas. Nichts soll die Zone verlassen, niemand soll berichten, was es hier zu entdecken gibt.“
Ein Ruck an der Schulter holt Unteroffizier Hammerbeck zurück in den Besprechungsraum. Schütze Tito zwinkert ihm zu „Wach auf mein Freund. Morisow hat seinen Vortrag beendet und den Abmarsch befohlen.“ Wenige Minuten später verlässt die Patrouille das Kasernengelände.
Seit Stunden streift die Patrouille wortlos durch das Dickicht, aufmerksam die Umgebung beobachtend. Kapitan Morosow hebt seine Hand und gibt das Signal zum Halt. Unweit in einer Gebäuderuine hat der Patrouillenführer eine Gruppe vermummter Stalker erfasst. Stillschweigend schwärmt Unteroffizier Hammerbeck mit dem Rest der Gruppe aus und sichert das Gebiet um die Ruine. Als drei Stalker mit einer Kiste die Gebäude verlassen ertönt ein kurzer Pfiff. Sekunden später sind sie umzingelt und blicken in zahlreiche Gewehrläufe. „Bitte nicht schießen“, fleht einer der Vermummten. „Wir sind unbewaffnet“ Morisow tritt hervor und nimmt Dokumente aus der Kiste. „PSI-Wellen und die Wirkungen auf die menschliche Psyche“ Mit einer verächtlichen Geste wirft er dem Redeführer der Stalker die Dokumente ins Gesicht, welcher sofort zu Boden geht und die Blätter hastig aufsammelt. „Nicht! Dieses Wissen kann vielen Menschen helfen!“ Morisow wendet sich ab und befiehlt ausdruckslos: „Erschießt sie alle. Und dann verbrennt den Unfug“ …doch Sekunden später ist immer noch kein Schuss gefallen. Wütend fährt Morosow herum „Wie könnt ihr es wagen, ihr sollt sie erschießen!“. Unteroffizier Hammerbeck hat sich vor die Stalker gestellt und spricht mit zittriger Stimme „Nein! Die Zone ist gut, das Wissen was hier versteckt liegt muss an die Öffentlichkeit! Wir können etwas Besseres schaffen als das alles hier!“ Die Patrouille schaut sich erst fragend an, dann senken sie nacheinander ihre Gewehre. Mit hochrotem Kopf zieht Morosow seinen Revolver und richtet ihn an Hammerbecks Schläfe „Alles muss man hier selber machen!“ Ein lauter Knall schallt durch den Wald. Einen Augenblick später sackt Morosows Körper leblos in sich zusammen. Aus der Mündung von Tito´s Karabiner entweicht ein dünner Rauchfaden. „Für unsere Freiheit! Für die Freiheit des Wissens! Für die Freiheit Tschernobyls!!!“